Paul George hatte alles gehört. Die Kritik der Fans, die hitzigen Debatten in den Sozialen Medien, die Frage, ob Boston wirklich einen Finals-MVP für einen 36-Jährigen mit langer Verletzungshistorie hergegeben hatte. Am Dienstag, bei seiner ersten Pressekonferenz als Celtic, sprach George das alles offen an.
„Ich verstehe, warum die Fans frustriert sind”, sagte er mit Blick auf die Reaktionen nach dem Trade von Jaylen Brown. „Aber genau das macht diese Herausforderung für mich interessant.”
Der Trade — erst letzte Woche offiziell abgeschlossen, nachdem er wegen der Kawhi-Leonard-Gehaltskappenuntersuchung auf Eis gelegen hatte — schickt Brown nach Philadelphia und bringt George sowie Erstrundenpicks nach Boston. Brown verstärkt die Sixers, die bereits mit LeBron James und Joel Embiid arbeiten. George erhält seine möglicherweise letzte große Titelchance.
Verletzungen, Comebacks — und ein neues Kapitel
Die letzten vier Jahre waren für George eine Tortur. Knie, Schulter, Oberschenkelmuskel: Die Verletzungsliste war lang genug, um selbst treue Fans zu entmutigen. Doch neben Head Coach Joe Mazzulla wirkte der neunmalige All-Star am Dienstag verändert — fitter, fokussierter, hellwach.
„Ich habe die Wende geschafft”, sagte er. „Körperlich bin ich in einem Zustand, den ich seit Jahren nicht mehr kannte.”
Das ist relevant, weil die Celtics keine Aufbauarbeit leisten. Jayson Tatum kehrt nach seinem Achillessehnenriss vom Mai 2025 zurück — jener Verletzung, die Bostons Saison abrupt beendet hatte. Nun sind George und Tatum Teamkollegen, eine unerwartete Konstellation. George zeigte sich gelassen.
„Jayson ist ein Winner. Ich habe lange genug gegen ihn gespielt, um zu wissen, was er draufhat. Ich bin hier, um ihn zu ergänzen.”
Fünfte Franchise, letzter Anlauf
Indiana, Oklahoma City, die Clippers, Philadelphia — und jetzt Boston. Bei jeder Station lief irgendwann etwas schief: Verletzungen, fehlende Chemie, Teams, die zur falschen Zeit ihren Zenit erreichten. Die Celtics bieten ihm womöglich die beste Ausgangslage seit seinen OKC-Jahren.
Boston geht mit echten Titelambitionen in die Saison 2026/27. Tatums Rückkehr verläuft planmäßig. Kristaps Porzingis bleibt, wenn er fit ist, einer der besten Zweiwegbigs im Osten. Die Bank hat mehr Tiefe, als es auf dem Papier aussieht. George weiß, was auf dem Spiel steht.
„Ich komme nicht hierher, um nur eine Rolle zu erfüllen”, sagte er. „Ich will dieser Mannschaft helfen, eine Meisterschaft zu gewinnen. Das ist der einzige Grund, warum ich hier bin.”
Ob die Celtics-Fans ihm glauben, entscheidet sich nicht bei einer Pressekonferenz. Das zeigt sich im April, vielleicht im Mai. George hat gesagt, was er sagen musste — wie ESPN berichtet, öffnet das Trainingslager Ende September.
