Das US-amerikanische Justizministerium (Department of Justice) hat eine strafrechtliche Untersuchung gegen die Los Angeles Clippers und Kawhi Leonard eingeleitet, wie die New York Times am 10. September 2026 berichtete. Bundesstaatsanwälte aus dem Eastern District of New York (EDNY) in Brooklyn – derselbe Bezirk, der bereits mehrere hochkarätige Sportrechtsverfahren bearbeitet hat – prüfen, ob die Franchise und der siebenmalige All-Star mit geheimen Sponsoring-Vereinbarungen Bundesrecht gebrochen haben, um den Salary Cap der NBA zu umgehen.
Mindestens eine Vorladung wurde bereits ausgestellt. Die Untersuchung stehe ganz am Anfang, Anklagen wurden bislang nicht erhoben.
Von NBA-Sanktionen zum Strafrecht
Die NBA hatte ihre einjährige interne Untersuchung Anfang September abgeschlossen und die schärfsten Strafen in der Geschichte der Liga verhängt: 30 Millionen Dollar Geldstrafe für die Franchise, der Verlust von fünf Erstrunden-Picks (ab 2029), eine einjährige Sperre für Eigentümer Steve Ballmer sowie ein sechsmonatiges Berufsverbot für Basketball-Präsident Lawrence Frank. Kawhi Leonard selbst zahlte eine Geldstrafe von 700.000 Dollar.
Laut NBA-Untersuchung hatte Ballmer „wissentlich” Off-Court-Einnahmen für Leonard in Höhe von Dutzenden Millionen Dollar ermöglicht – Vereinbarungen, die nach Liga-Regeln in die Salary-Cap-Berechnung hätten einfließen müssen. Die Arrangements liefen über Leonards Geschäftsmanager und involvierten Drittsponsoren, die unter Druck gesetzt wurden, Endorsement-Verträge mit dem Spieler als Voraussetzung für eine Zusammenarbeit mit der Franchise zu unterzeichnen.
Bundesstaatsanwälte fragen nun: Handelt es sich um Straftatbestände nach US-Bundesrecht? Das EDNY-Büro hat Erfahrung mit Sportfällen – darunter Ermittlungen zu College-Basketball-Korruption und FIFA-Bestechungsaffären.
Clippers-Saison 2026/27 unter juristischem Druck
Los Angeles öffnet sein Training Camp am 29. September – belastet durch historische Ligastrafen und nun zusätzlich durch eine bundesstrafrechtliche Untersuchung. Kawhi Leonard wurde Anfang September in einem Trade zu den Toronto Raptors geschickt, kurz nach dem NBA-Urteil. Die Franchise setzt auf einen jüngeren Kader, mit Ben Simmons auf Einjahresbasis und Bradley Beal, der Chris Pauls alte Nummer 3 übernimmt.
Ob Anklagen folgen, ist ungewiss. Dass der EDNY überhaupt aktiv wird, signalisiert aber, dass Bundesbehörden das Verhalten der Franchise als potenziell strafrechtsrelevant einstufen – ein Novum in der NBA-Geschichte.
Quellen: NBC Sports, Yahoo Sports
